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Ostern in Polen
 
Die Tradition des Osterfests unterscheidet sich nicht wesentlich von den übrigen katholischen Ländern. Es sind jedoch in Polen etwa 40 Tage Fastenzeit (Wielki Post) und die freudige Osterwoche, sowie viele lokale Volksbräuche entstanden. Diese werden von der Bevölkerung immer noch bewusst gepflegt und verleihen den Feierlichkeiten ein besonderes Flair. Diese Bräuche besitzen immer eine christliche Symbolik, oft aber entstammen sie den vorchristlichen slawischen Bräuchen.

Hier ein kleiner Einblick in die polnischen Osterbräuche:

Marzanna – „Topienie Marzanny“

Marzanna (auch Morana oder Marzana, deutsch Morena) nannten die Altslawen eine böse Verkörperung des todbringenden Winters. Als Brauch wird in den Kindergärten Polens und an anderen Orten in Mittel- und Osteuropa, an der Wende vom Winter zum Frühling, eine Verbrennung bzw. Ertränkung der „Marzanna“ durchgeführt. Dazu wird eine hässliche Strohpuppe als Symbol des Winters öffentlich verbrannt oder ins Wasser geworfen. Als Gegenstück zur Morena gilt, aber nur in wenigen Regionen, eine mit buntem bzw. lebendigem Material geschmückte Weide, die das Leben symbolisiert.

Pisanki – die Ostereier

Wie in weiten Teilen der Welt gibt es auch in Polen Ostereier, welche hier „Pisanki“ genannt werden. Die Polen nutzen zur Färbung der Eier gern natürliche Farbstoffe. Zwiebelschalen ergeben eine rotbraune Farbe, die Rinde von Erle, Eiche sowie Schalen der Walnuss ergeben schwarz, rotgelb verfärben sich Eier von der Rinde eines jungen Apfelbaumes oder den Blüten der Ringelblume. Mit Blütenblättern von dunklen Stockrose erhält man violette, mit Rübensaft rosafarbene Eier und den Sprösslingen des jungen Roggens oder Blättern des Immergrüns färben sie sich grün.

Swieconka – die gesegneten Lebensmittel

Am Karsamstag werden in und vor den Kirchen geschmückte Körbchen mit Lebensmitteln feierlich gesegnet. Diese Produkte kommen dann während des feierlichen Frühstücks auf den Tisch.

Einst wurden alle Speisen gesegnet, die an diesem Tag an den Tisch kamen. Eine Zeit lang erfolgte dies in Polen vor den Gutshäusern und auch die Bauern wurden dazu eingeladen. Praktisch war zu dieser Zeit der Pfarrer dann den ganzen Tag von Herrenhaus zum Herrenhaus unterwegs, was während der Frühlingsschmelze recht beschwerlich war. Außerdem konnte man nicht mit dem Essen beginnen, ehe der Pfarrer da war. Nach und nach verlegte sich der Brauch in die Kirchen und man brachte nur symbolisch ein Körbchen mit Speisen mit in die Kirche. Letztens, insbesondere bei gutem Wetter, stellt man vor der Kirche Tische auf und segnet die Speisen im Freien.

Der Inhalt des Körbchens ist Traditionell festgelegt. Vor allem gehören Eier hinein. Es ist gut so, dass nur einige als „Pisanki“ bemalt wurden. Zweites Element ist das Lamm, dass Jesus symbolisiert. Einst war es eine Figur aus Butter oder Brotteig. Heute ist es immer öfter ein Lamm aus Zuckerguß oder aus Schokolade. Unbedingt gehört eine Schüssel mit Salz hinein (... Ihr seid das Salz der Erde...), welches die Speisen vor dem Verderben schützen soll. Es werden auch verschiedene Brot- und gute Wurstsorten hineingelegt. Von den Gewürzen darf der scharfe und sehr beliebte Meerrettich (pol. Chrzan) nicht fehlen. Das geflochtene Körbchen wird mit Immergrün und einem weißen Tuch geschmückt.

Über die ganze Zeit des Osterfestes steht das Körbchen im Mittelpunkt des Tisches.

Die geweihten Eier werden bei den Familientreffen in Stücke zerschnitten und wie eine Weihnachtsoblate (pol. Oplatek) unter den Gäste verteilt. Dabei werden Glückwünsche ausgesprochen.

Laut Umfragen nehmen am Karsamstagsbrauch 95 Prozent der Bürger teil. Neben Polen kann man diesen wunderschönen Brauch auch in der katholischen Slowakei und im durch Polen bewohnten Teil des tschechischen Teschner Schlesiens miterleben.

Ein etwas anderer Brauch am Ostermontag ist smigus-dyngus. Bis ins 15. Jahrhundert waren der „dyngus“ und der „Smigus“ zwei getrennte Bräuche. Dyngus bedeutete das Erzwingen von Gaben (meistens Eiern) unter Androhung eines kalten Bades. „Smigus“ kommt vermutlich aus dem deutschen Schmerck-Ostern lub Schmack-Ostern,(aus dem Wort schmacken und bedeutete das Austeilen von Hieben mit einer Route oder Weidenzweig). Am Montag wurden die Mädels gebadet, am Dienstag revanchierten sie sich mit einem Bad der Jungen. Dieser Brauch wurde immer als unnötig empfunden. In Polen gibt es unterschiedliche Ausprägungen dieses Brauches. In zivilisierter Form wird man mit Parfüm besprüht und in ausgearteter Art laufen Horden von Jugendlichen in den Wohnsiedlungen mit vollen Wassereimern herum. Also Vorsicht am zweiten Ostern-Feiertag. Das erste Mal schrieb man das Wort Smigus-Dyngus im Wörterbuch von 1938.

Für die Herkunft diese Brauches gibt es viele Vermutungen. Bestimmt hat es Wurzeln in den vor christlichen Traditionen. Eine Legende besagt, dass mit Wassergüssen die Juden in Jerusalem diejenigen verscheucht haben, welche unter ihren Fenstern über die Auferstehung diskutierten. Auch spielt auch die ganze Bandbreite der Wassersymbolik eine wichtige Rolle.

An diesem Tage werden auch die Felder geweiht und mit Kreuzen der Osterpalmen versehen. Im Süden von Polen erreicht man die Felder mit Reiter-Prozessionen.

Vorschläge für Besuche bei Prozessionen zum Osterfest

Prozession in Kalwaria Zebrzydowska

Österliche Pferdeprozession in Pietrowice Wielkie



Pucheroki gehören zu den ganz wenig verbreiteten Bräuchen. Der Ort, wo der Brauch noch gepflegt wird ist das Dorf Zielonki im Süden. Zur Osterzeit kleiden sich junge Männer in der wenige Kilometer nördlich von Krakau gelegen Stadt Zielonki in hohe, spitze und reich mit Löschpapierstreifen verzierte Mützen und schmieren sich die Gesichter mit Ruß ein. Die Wurzeln dieses Brauchs liegen im Krakauer Studentenmilieu des 16 Jahrhunderts.

In der Zeit um Ostern versammelten sich die oft unterernährten Studenten vor Kirchen, sprachen gereimte Glückwünsche und warteten auf Gaben der Reichen. Mit der Zeit begannen sie die Dörfer bei Krakau zu besuchen. Die Dichtungen wurden immer freizügiger, ja sogar vulgär und so verbot man den Studenten im Jahre 1780 das „chodzenie na puchery“.

Danach maskierten sich die Studenten und der Bauch wurde von der Dorfjugend übernommen. Auch heutzutage ziehen am Palmsonntag über Zielonki, Trojanowice und Bibice lustige und farbenfroh angezogene Pucheroks. Dank für die lustigen Dichtungen sind Süßigkeiten, Eier, Obst und andere Viktualien. Pucherok kann nur ein Junge werden, Mädchen keinesfalls. So verlangt es die Tradition.

Weitere Bräuche

Außergewöhnliche Osterfeuer

Osterpalmen

Osterpalmen im Jahr 2009 in Łyse

Judas erhängen

Andere Bräuche, wie Rekawka, Emaus, walatka, z kurkiem po dyngusie, Siuda Baba, das Begräbniss des „Zurek“ und des Herings, die und den „Jezusek Palmowy“ wollen wir nächstes Jahr beschreiben.
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